Erwartungen an die Geburt – Warum eine Wunschliste oft hilfreicher ist als ein starrer Geburtsplan
Viele Frauen bereiten sich heute sehr bewusst auf die Geburt vor. Sie informieren sich, sprechen mit ihrer Hebamme, lesen Bücher, besuchen Geburtsvorbereitungskurse – und fast selbstverständlich gehört dazu auch der Geburtsplan. Ein Dokument, das festhält, was man sich wünscht, was man vermeiden möchte, welche Atmosphäre man braucht, um sich sicher zu fühlen.
Und das ist absolut sinnvoll: Ein Geburtsplan kann Orientierung geben, beruhigen und helfen, die eigenen Bedürfnisse überhaupt erst zu formulieren. Er schafft Klarheit – auch für das geburtshilfliche Team – und schenkt vielen Frauen ein Gefühl von Selbstbestimmung.
Innerer Konflikt – Rechnen mit dem Unberechenbaren
Doch genau hier entsteht manchmal ein innerer Konflikt: Geburt ist ein Prozess, der sich nicht vollständig steuern lässt. Sie folgt keinem Drehbuch, keinem minutiösen Ablauf. Sie hat ihr eigenes Tempo, ihre eigenen Wendungen. Und je detaillierter ein Plan ist, desto größer kann die Enttäuschung sein, wenn die Realität sich ihm nicht fügen will.
Deshalb kann es wohltuend sein, die Idee eines starren Plans loszulassen und stattdessen mit einer Wunschliste zu arbeiten. Eine Wunschliste trägt die gleiche Klarheit in sich, aber ohne die Härte des „So muss es laufen“. Sie öffnet Raum für Flexibilität, ohne die eigenen Bedürfnisse zu verlieren. Wünsche dürfen benannt werden, aber sie müssen nicht wie fixe Vorgaben wirken. Man freut sich, wenn sie in Erfüllung gehen – und bleibt innerlich frei, wenn der Weg ein anderer wird.
Eine Wunschliste nimmt Druck heraus. Sie respektiert die Natur des Gebärens, die nicht linear ist, nicht kontrollierbar, nicht vorhersehbar. Und sie schützt davor, nach der Geburt mit dem Gefühl zurückzublicken, „versagt“ oder „vom Plan abgekommen“ zu sein, obwohl man in Wahrheit Großartiges geleistet hat. Sie ist ehrlicher gegenüber dem Prozess und freundlicher zur eigenen Psyche.
Vorbereitung ohne Perfektionismus
Gleichzeitig verliert man nicht, was am Geburtsplan wertvoll ist: den Dialog. Eine Wunschliste ist genauso gut geeignet, um mit Hebammen und Ärzt*innen zu besprechen, was einem wichtig ist. Sie lädt zu Gesprächen ein, ohne Erwartungen zu verhärten. Sie erlaubt es, sich vorzubereiten – ohne sich festzulegen.
Am Ende geht es bei der Geburt nicht darum, ein Konzept perfekt umzusetzen. Es geht darum, sich sicherer zu fühlen, Entscheidungen zu verstehen, Möglichkeiten zu kennen und in Verbundenheit zu bleiben – mit dem eigenen Körper, mit dem Baby, mit dem geburtshilflichen Team. Eine Wunschliste kann genau dabei helfen: Orientierung ohne Starrheit, Klarheit ohne Druck, Vorbereitung ohne Perfektionismus.
Und vielleicht ist das die beste Grundlage, um eine Geburt selbstbestimmt zu erleben – egal, welchen Weg sie nimmt.
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